Archäologische Feldarbeit und Nachbereitung:
Als ein Beispiel wie eine archäologische Grabung ablaufen kann, wird hier eine von uns durchgeführte Grabung in Marktbreit, Lkr. Kitzingen Schritt für Schritt vorgestellt.
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Die Stadt Marktbreit plant auf einem Flurstück ein Neubaugebiet auszuweisen. Aufgrund von Lesefunden wird eine geomagnetische Prospektion durchgeführt, bei der zwei größere Befundkonzentrationen festgestellt werden.
2.
Bei der Ausgrabung einer Teilfläche wird der östliche Teil des Flurstücks vollständig untersucht.
3.
Im darauf folgenden Jahr wird der westliche Teil des Flurstücks geöffnet. Für einen koordinierten und reibungslosen Ablauf wird ein Konzept auf Basis aller zur Verfügung stehenden Unterlagen (Luftbilder, Geomagnetik, Fundmeldungen, Grabungsberichte etc.) entwickelt. Um die insgesamt ca. 2,7ha große Fläche zu untersuchen, wird beschlossen, zuerst in den durch die Geomagnetik bekannten Befundclustern zu graben und parallel dazu, mittels Sondagen im Umfeld, die Befunddichte abzuklären.
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Noch vor Beginn der Ausgrabung werden die Schnitte mittels Tachymeter ausgesteckt, so dass beim folgenden Oberbodenabtrag die Funde und Befunde sofort bearbeitet werden können.
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Der Oberbodenabtrag wird so durchgeführt, dass sobald in einem Segment (8 x 8m groß) der Oberboden entfernt ist, sofort die Dokumentation der Befunde im Planum aufgenommen werden kann. Zuerst wird die Oberfläche präpariert.
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Anschließend werden die Befunde fotografiert,
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und eingemessen
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sowie auf den dafür vorbereiteten Befundblättern beschrieben.
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Bevor die Befunde ausgegraben werden, erfolgt eine flächige Abdeckung mit Folie um sie in der Zwischenzeit vor Witterung zu schützen.
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Am Ende werden vor Ort zahlreiche Befunde festgestellt und vollständig dokumentiert.
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Im nächsten Schritt werden die Befunde wieder aufgedeckt und die nötigen Befundschnitte (Profile) ausgesteckt und eingemessen.
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Anschließend werden alle Befunde geschnitten, d.h. ein Teil der Befunde ausgegraben um die Seitenansicht des Befunds zu erhalten (Profilansicht).
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Diese Profile werden dann fotografiert, gezeichnet sowie beschrieben.
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Anschließend wird der verbliebene Befundrest entnommen und die darin enthaltenen Funde geborgen.
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Nachdem alle Befunde entnommen sind, wird die angefertigte Dokumentation im Büro nachbearbeitet. Das Baufeld ist nun befundleer und kann zur Bebauung freigegeben werden.
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Bei der Nachbereitung der Dokumentation werden die Funde gereinigt,
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getrocknet und verpackt.
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Die Fotos werden konvertiert, beschriftet und eine Auswahl zur Ausbelichtung von Dias erstellt. (Richtlinien des BLfD)
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Die vor Ort geführten Listen werden auf Vollständigkeit und Korrektheit geprüft. Anschließend werden die Querverweise in den Befundblättern geprüft und gegebenenfalls korrigiert.
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Für die Auswertung werden einige Funde gesondert aufgenommen.
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Bei menschlichen Bestattungen übernimmt unsere Anthropologin die Auswertung.
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Die Grabungsleitung wertet in der Zwischenzeit die Ergebnisse aus und fasst diese in einem Bericht zusammen.
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Wenn diese Schritte abgeschlossen sind erfolgt die Abgabe bei der zuständigen Dienststelle des BLfD. Bei dieser werden alle Dokumente, Funde und der Bericht nochmals auf Vollständigkeit und Korrektheit geprüft. Erst dann erfolgt die amtliche Freigabe durch die zuständige Denkmalschutzbehörde.