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Chinesisches Porzellan in Wöhrd geborgen

In Wöhrd/Nürnberg (Mittelfranken) wurden bei einer archäologischen Ausgrabung aus einer Latrinenverfüllung sehr viele und teilweise sehr seltene Funde geborgen. Die Auswertung ergab dabei eine Datierung in die Zeit nach 1731 bis etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Überraschend war vor allem der Fund von echtem chinesischen Porzellan, wie auch von imitierten Stücken aus dem persischen Raum.

Bis zur Erfindung des europäischen Porzellans wurde diese Keramikart ausschließlich in Asien und dem Nahen Osten hergestellt. Dabei versuchten die nicht-chinesischen Produzenten, zumindest bei den für den Export bestimmten Stücken, das chinesische Dekor zu imitieren. Dies lässt sich an einem Stück besonders gut erkennen: Auf einer Untertasse mit 11cm Durchmesser, ist eine reduzierte Landschaft mit einer chinesischen Person und einer Raubkatze (vermutlich Tiger) dargestellt. Zudem findet sich noch ein Rankenmotiv mit Früchten. Der Abgleich der Marke auf der Rückseite, in Form von geometrischen Formen, lässt aber keine Identifikation mit einer europäischen, chinesischen oder japanischen Porzellanmanufaktur zu. Jedoch verwendeten die im safawidischen Kerman (heute Iran) ansässigen Produktionsstätten von 1615 bis etwa 1680 solche ineinander angeordneten quadratischen Rahmen mit unterschiedlicher geometrischer Füllung. Die als „four disparate Elements“ bezeichnete Gruppe weist vier geometrische Formen in ähnlicher Verteilung auf 1, ähnlich wie das hier vorliegende Stück. Allerdings ist keines der bisher entdeckten Objekte mit diesem Fund deckungsgleich. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Verwendung der Marken bei den safawidischen Herstellern nicht annähernd so stringent gehandhabt wurde, wie dies von europäischen Produzenten vorgeschrieben war2. Insofern liegt zumindest die Vermutung nahe, dass diese Untertasse im späten 17. Jahrhundert in Persien gefertigt wurde.

Eine besondere Seltenheit im Fundgut stellt jedoch eine weitere Untertasse mit Blumendekor dar. Die Herstellermarke auf der Rückseite identifiziert das Objekt als echtes chinesisches Porzellan der Chingdynastie. Unterstrichen wird diese Annahme durch den schwachen Blauschimmer im Scherben, den europäisches Porzellan nicht aufweist. Die Übersetzung der Marke lautet: „Hergestellt zur Zeit der großen Qing-Dynastie in den Jahren des Kaisers Kangxi“ 3. Kaiser Kangxi regierte zwischen dem 7. Februar 1661 und dem 20. Dezember 1722, so dass auch für die hier vorliegende Untertasse eine Datierung der Herstellung in diesem Zeitraum angenommen werden kann.



1) Golombek et al. 2014: L. Golombek, R.B. Mason, P. Proctor, E. Reilly, Persian Pottery in the First Global Age, in: Arts and Archaeology of the Islamic World, Bd. 1, Leiden 2014., 247f.
2) dies. 123ff.
3) Vielen Dank für die Übersetzung an Herrn Jonas Gompelmann (Sinologe) Bremen.


Über 7000 Jahre alte menschliche Darstellung

Im Zuge der Errichtung eines Neubaugebiets in Marktbreit, Landkreis Kitzingen (Unterfranken) wurden bei der bauvorgreifenden archäologischen Ausgrabung sehr viele und teilweise aufwendig verzierte Keramikscherben gefunden. Sie liefern einen Einblick in die Lebenswelt der ersten dauerhaften Bewohner des Maindreiecks.

Einer der Funde ist eine Randscherbe eines größeren Kumpfes mit einer Wandungsstärke von 0,6 - 0,8cm, nach oben verjüngend. Dies ergab die archäologische Erstansprache nach Ende der Grabung. Auffällig war die Verzierung der Oberfläche: diese ist dunkelgrau-schwärzlich, die Innenseite grau-beige fleckig und grob verstrichen. Auf der Außenseite ist das ca. 5,5 x 5,5cm große Stück umfangreich verziert. Die Randverzierung wird durch eine umlaufende Ritzlinie gebildet, die oberhalb und unterhalb von senkrechten, langschmal-dreieckigen Einstichen begleitet wird. Auf der erhaltenen linken Seite ist ein dreiliniges Bogenband zu erkennen und auf der rechten im Zwickelbereich eine stark stilisierte anthropomorphe Darstellung. Sie zeigt einen Menschen mit erhobenen Armen bzw. in Adorantenhaltung. Der Stil dieser menschlichen Darstellung verweist auf die jüngere Flomborn-Phase. Zusammen mit den weiteren Ornamenten datiert das Stück in die Stufe III-IV (etwa 5000 - 5300 v.Chr.)