Gold für den Markgrafen

Am 7. Mai 1686 betritt Christian Wilhelm Cronemann in Kulmbach die Richtstätte. Vor wenigen Monaten noch war er eine angesehene Persönlichkeit am Hofe des Markgrafen Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth. Den Abend wird er nicht mehr erleben, denn der Galgenstrick wird die letzte Ehrenbekundung sein, die er vom Markgrafen empfängt.

Als Archäologen verbringen wir nicht nur viel Zeit draußen im Feld, sondern auch viel Zeit in Bibliotheken, bei Recherchen im Internet oder in der Diskussion mit Fachkollegen, um Fragen nachzugehen, die während einer laufenden Grabung aufgetaucht sind. Bei diesen Recherchen stoßen wir nicht nur auf die Antworten zu unseren Fragen, sondern fischen immer wieder neue interessante Geschichten aus dem Meer der Unterlagen. Bei einer Recherche zu den Schlossanlagen und der Siedlungspolitik des Markgrafen Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth (1644-1712) sind wir über die Geschichte des Hofalchemisten Christian Wilhelm Cronemann gestolpert, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen. Die hier stark gekürzte Zusammenfassung beruht auf dem detaillierten und umfassenden Artikel "Der Bayreuther Goldmacher Christian Wilhelm von Cronemann" der Historikerin Katharina Beiergrößlein.

Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth (Medallion)

Cronemann befindet sich im Sommer 1677 in Forchheim und bietet sich von dort aus mit einem Schreiben dem Markgrafen als Alchemist an. Die markgräfliche Kanzlei jedoch ignoriert dieses Schreiben offenbar. Um dennoch in die Dienste des finanziell desolaten Christian Ernst zu kommen, schenkt er dessen Hofprediger Caspar von Lilien einen Klumpen Gold, den er selbstverständlich selbst auf alchemische Weise hergestellt haben will. Weiter schickt er der Markgräfin Sophie Louise ein Exemplar seines Traktats "Von der Universal-Tictur" zusammen mit dem Hinweis, dass er sich nunmehr nach Holland begeben wird. Die Geschenke haben offenbar die gewünschte Wirkung, denn der Markgraf lässt den Reisenden abfangen und ins Markgrafentum bringen. Im September 1677 tritt er in den Dienst des Markgrafen. Nach wenigen Monaten präsentiert Cronemann in einer Vorführung für den Hof, in Gegenwart des Markgrafen und seiner Frau, die erfolgreiche Umwandlung von Quecksilber in Gold. Der Markgraf ist vorerst von seinem Alchemisten begeistert und ernennt ihn nach und nach zum Oberpräsidenten, Geheimen Rat, Generalkommandant, Oberburgvogt, Kammerherren, sowie Münz- und Bergwerksdirektor.

Das Problem des Alchemisten ist logischerweise, dass die von ihm behauptete Umwandlung ("Transmutation") durch den Stein der Weisen überhaupt nicht funktioniert1. Seine Lösung ist so einfach wie erfolgreich: Die Transmutation kann nur mit Gottes Wohlwollen erfolgen. Wenn es also nicht klappt, dann ist es folglich Gottes Wille. Die Lösung des Markgrafen ist beeindruckend bürokratisch: In einem Vertrag zur Goldherstellung, den er mit Cronemann schließt, wird ausdrücklich festgehalten, dass von jeder Goldlieferung ein Teil zur Finanzierung einer Predigerstelle abgeleitet werden soll, damit Gottes Segen auf dem Projekt ruhen möge.

Wenn der Markgraf allzu ungeduldig wird, beruhigt ihn der Hofprediger von Lilien. Dieser bekommt für seine Dienste von Cronemann in unregelmäßigen Abständen Gold oder Transmutationspulver, um selbst Gold herstellen zu können.

1)

Eine Möglichkeit wie dieser Taschenspielertrick durchgeführt worden sein könnte findet sich in den Prozessakten: Ein großes Stück Holzkohle wird innen ausgehöhlt, in diesen Hohlraum füllt man einen kleinen Klumpen Gold und verschließt die Öffnung mit geschwärztem Bienenwachs. Dieses Stück Holzkohle wird dann zur Abdeckung des Schmelztiegels benutzt, in dem die Transmutation stattfindet. Wenn der Tiegel nun erhitzt wird, schmilzt das Wachssiegel und der Goldklumpen fällt in die alchemistische Mischung im Tiegel. 

Restaurierter Destillierkolben und Helm aus der Alchemistenwerkstatt von Wittenberg, 16. Jahrhundert. Quelle: Vera Keil, Zur Restaurierung der Wittenberger Alchemistenfunde, in: Meller et al (Hrsg.), Alchemie und Wissenschaft des 16.Jahrhunderts. Fallstudien aus Wittenberg und vergleichbare Befunde, in: Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle, Band 15, S.45-58, Hale 2016.

Nach fast 10 Jahren aber verliert der Markgraf endgültig die Geduld. Cronemann war zwischenzeitlich bereits inhaftiert um sich besser auf seine Arbeit als Alchemist konzentrieren zu können. Im Prozess wird er nicht wegen der fehlgeschlagenen Umwandlungen verurteilt, sondern wegen zweier Vergehen, die ihm auch ohne göttlichen Willen nachweisbar waren.

Wenn man ein As aus dem Ärmel ziehen will, muss man vorher eines hineintun! Um also Silber alchemisch "herzustellen" musste er vorher an Silber kommen. Dazu stiftete er seine Untergebenen an silberne Gegenstände zu stehlen, welche er einschmolz um sie anschließend als Produkte seiner alchemischen Werkstatt an den Markgrafen weiter zu reichen.

Das zweite Verbrechen war, dass er aus markgräflicher Haft floh, um sich im Bambergischen Kloster Marienweiher zu verstecken. Am 11. März 1686 wurde er ans Markgrafentum ausgeliefert. Anschließend wurde ihm der Prozess gemacht und das Todesurteil verkündet. Seine Fürsprecherin Sophie Louise setzt sich zwar für eine Begnadigung ein, doch der Bote der diese überbringen soll, lässt sich allerdings auf Geheiß Christian Ernsts recht viel Zeit um von Bayreuth nach Kulmbach zu reiten, so dass die Hinrichtung bereits erfolgt ist als dieser eintrifft.


Besonderer Dank gilt Dr. Katharina Beiergrößlein, Lehrbeauftragte am Historischen Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München

Dieser Beitrag ist eine stark gekürzte Zusammenfassung von Dr. Beiergrößleins Artikel: Katharina Beiergrößlein "Ex auro solido, fecerat ille nihil" – Der Bayreuther Goldmacher Christian Wilhelm von Cronemann, in: Archiv für Geschichte von Oberfranken Sonderband: R. Becker, I.v.Dorn (Hrsg), Politik – Repräsentation – Kultur. Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth 1644-1712 – Referate der Tagung am 9. und 10. November 2012 in Bayreuth, Bayreuth 2014.

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