Eine Ausgrabung in Forchheim: Was schlichte Tierknochen alles über die Vergangenheit verraten können.

Bei archäologischen Ausgrabungen kommen oft Tierknochen zum Vorschein. Diese werden meist etwas unterschätzt, obwohl sie eine Menge an Informationen liefern können. Die Knochen verraten nicht nur, welche Tiere vorhanden waren, sondern auch, wie sie von den Menschen behandelt wurden. Es können sogar Rückschlüsse auf die menschlichen Aktivitäten und den Zweck der gesamten Ausgrabungsstätte gezogen werden.

Auf Überreste von Tieren treffen ArchäologInnen in der Regel in fragmentiertem und vermengtem Zustand. Das liegt daran, dass es sich dabei meist um Essenreste bzw. Abfälle handelt. Solche Abfälle sind für die Wissenschaft oft Gold wert, das sie zum Beispiel Aufschluss über die Tierhaltung, das Schlachten, die Ernährung, den Konsum und die Abfallpraktiken geben können.
Allerdings stammen nicht alle Tierknochen aus dem Konsum von Lebensmitteln. Es kann viele Gründe geben, warum die tierischen Überreste an einem Fundort landen. Handelt es sich um Essensreste, dann weisen meist Schnitt- und Hackspuren auf den Knochenfragmenten darauf hin. Außerdem können Nagespuren von Tieren, Brandspuren oder frische Frakturen Aufschluss darüber geben, wie die Knochen anschließend entsorgt wurden.

Die Ergebnisse in Forchheim
Bei einer archäologischen Ausgrabung in Forchheim (Oberfranken) wurde eine Probe von Tierknochen osteologisch analysiert. Die Ergebnisse erzählen nicht nur die Geschichte der Tiere, sondern bieten darüber hinaus interessante Einblicke in die gesamte Ausgrabungsstätte aus der Zeit des Spätmittelalters/Frühe Neuzeit.
Am häufigsten trafen die WissenschaftlerInnen auf die Knochen von Kühen, gefolgt von Schafen, Ziegen und Schweinen. An den Fragmenten dieser drei Arten wurden Schlachtspuren festgestellt. Sowohl beim Rind als auch beim Schwein stammten mehrere Knochen von jungen Tieren. Dies deutet darauf hin, dass diese Arten hauptsächlich als Nahrungsquelle gehalten und wahrscheinlich geschlachtet wurden, sobald sie ein bestimmtes Alter oder eine bestimmte Größe erreicht hatten. Bei der Kuh wurden sowohl ältere als auch jüngere Individuen identifiziert. An den Fragmenten konnten auch Nagespuren von Hunden festgestellt werden.
Die Anatomie der Fragmente gibt Aufschluss darüber, welche Teile der Tiere an der Fundstelle bearbeitet wurden. Wurden die Tiere zum Beispiel woanders geschlachtet und dann erst an den Fundort gebracht, würden die typischen Schlachtabfälle fehlen, wie Fuß- oder Kopffragmente. In Forchheim waren Teile der Schädel von Rindern und Schweinen vorhanden, hauptsächlich Zähne. Dies deutet darauf hin, dass die Tiere an Ort und Stelle geschlachtet wurden. Bei allen drei Arten wurden aber auch die Skelettüberreste von sehr fleischreichen Teilen gefunden. Der Fundort war scheinbar nicht nur ein Schlachthof, sondern hier wurde das Fleisch auch verzehrt.

Ein Teil des Oberkiefers eines Schweins war direkt neben einem der Zähne abgehackt worden. (IN TERRA VERITAS, Bamberg)

Auch ungewöhnliche Funde dabei
Die ungewöhnlichsten Funde für einen mutmaßlichen Schlachthof sind die Knochen eines Pferdes und eines Kaninchens. Beim Pferdeknochen handelt es sich um einen großen hinteren Oberschenkel, der Spuren von pathologischen Veränderungen aufwies, was auf ein altes Arbeitspferd hindeutet. Schlachtspuren konnten nicht erkannt werden.
Beim Kaninchenknochen handelt es sich um einen vorderen Unterschenkel, der deutliche Schnittspuren am Schaft aufweist. Wahrscheinlich ist das Kaninchen daher irgendwann einmal auf einem Teller gelandet.
Eine seltene Beobachtung wurde auch an einem oberen Vorderbein einer Kuh gemacht. Dieses weist nicht nur Schlachtspuren auf, sondern auch ein viereckiges Loch im Knochenschaft. Das könnte möglicherweise während der Schlachtung entstanden sein, zum Beispiel durch einen Haken.

Hinterer Oberschenkel eines Pferdes (IN TERRA VERITAS, Bamberg)
Vorderer Unterschenkel eines Kaninchens (IN TERRA VERITAS, Bamberg)
Oberes Vorderbein einer Kuh mit viereckigem Loch (IN TERRA VERITAS, Bamberg)
Die Erkenntnisse deuten darauf hin, dass an der Ausgrabungsstätte in Forchheim sowohl geschlachtet als auch gegessen wurde. Das meiste Fleisch stammte von Rindern, aber auch von Schweinen, Schafen und Ziegen. Ganz offensichtlich scheint aber auch einmal Kaninchen auf dem Speiseplan gestanden zu haben. Da der identifizierte Pferdeknochen keine Schlachtspuren aufwies, scheint es hier eine unterschiedliche Behandlung gegeben zu haben. Warum er dennoch in den Abfällen eines Schlachthofes landete, wird wohl ein Geheimnis bleiben.

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