Weitere Keltensiedlung unterhalb des Staffelbergs entdeckt

»Menosgada« (die Stadt über dem Maintal). So nannte der in Ägypten lebende griechische Philosoph und Geograph Claudius Ptolemäus bereits im 2. Jahrhundert n.Chr. mit hoher Wahrscheinlichkeit die Keltensiedlung auf dem oberfränkischen Staffelberg in seiner »Geographike Hyphegesis«. Heute wissen wir, dass das zum damaligen Zeitpunkt bereits verfallene keltische Oppidum in eine lebendige umliegende Siedlungslandschaft eingebettet war, von der immer mehr Details zum Vorschein kommen.

Kaum hat das neue Jahr 2021 begonnen und schon stoßen die Archäologen von IN TERRA VERITAS wieder auf keltische Siedlungsüberreste. Im Zuge einer wissenschaftlichen Begleitung im Vorfeld der Errichtung eines Mehrparteienhauses in Wolfsdorf bei Bad Staffelstein (Landkreis Lichtenfels, Oberfranken) kamen die Reste eines keltischen Gehöfts ans Tageslicht.

Siedlung bestand länger als das Oppidum selbst
Trotz der geringen Größe des Baufensters und einiger moderner Störungen fanden sich dennoch einige Hinweise auf ein in Pfostenbauweise errichtetes Haus mit einer Länge von über 6 Metern. Weitere Details, wie die Breite des Hauses oder die Lage der Eingangstür konnten aufgrund der insgesamt schlechten Erhaltung der Befunde leider nicht mehr eruiert werden. Darüber hinaus stießen die Wissenschaftler auf einige umliegende Abfallgruben, in denen hauptsächlich organische Abfälle und Asche entsorgt wurden. In einer wurden jedoch neben Tierknochen auch Keramikscherben aus der frühen Latènezeit (5. Jahrhundert v. Chr.) gefunden. In diesem Zusammenhang sind auch einzelne Funde aus der römischen Kaiserzeit von besonderem Interesse für die Wissenschaftler. Auch wenn es sich zu diesem Zeitpunkt zunächst nur um eine erste Einschätzung handelt, so deutet diese Fund- und Befundsituation darauf hin, dass die Siedlungsstelle offenbar schon vor Beginn der Hochzeit des Staffelberger Oppidums bestand und auch noch nach dessen Ende um etwa 50 v.Chr. weiter genutzt wurde.

Ausgrabung erweitert unser Gesamtbild
Das Gehöft bestand sicherlich aus mehr als nur diesem einen Gebäude, und war wohl auch Teil einer größeren Ansiedlung wie sie sich in ähnlicher Form auch bei einer Grabung in Bad Staffelstein/Sonnensiedlung erhalten hatten. Die Ausgrabung in Wolfsdorf, wie auch die vielen zahlreichen Grabungen im Umfeld des Staffelbergs trägt einen kleinen, aber wichtigen Teil zu einem Gesamtbild bei. Einem Gesamtbild einer lebendigen Siedlungslandschaft rund um das bedeutende keltische Handelszentrum, von dem man noch über hundert Jahre nach seinem Niedergang in der weit entfernten, römischen Provinz Ägypten gesprochen hatte.

Zum keltischen Oppidum auf dem Staffelberg

Das Oppidum auf dem Staffelberg war eine seit der Hallstattzeit bestehende Hochsiedlung, welche im Verlauf der Latènezeit erweitert und mit einer riesigen Umfassungsmauer geschützt wurde. In dieser Stadt wohnten die Eliten einer Gruppe die wir heute als Kelten zusammenfassen. Die Überreste dieser einst bedeutenden Siedlung sind heute ein Bodendenkmal von internationaler Bedeutung. Daher finden dort immer wieder Untersuchungen statt, die unser Bild von der Anlage erweitern und verändern. Diese Stadt selbst war eingebettet in ein dichtes Netz aus umliegenden, meist landwirtschaftlich geprägten Ortschaften, welche wohl auch zur Versorgung der auf dem Berg Lebenden dienten. So stoßen Archäologen heute im Umfeld des markanten Staffelberges immer wieder auf die Reste jener zahlreichen Siedlungen. Die aktuelle Entdeckung in Wolfsdorf ist eine davon.
Ausgrabung in Wolfsdorf, Bad Staffelstein
Ausgrabung in Wolfsdorf, Bad Staffelstein

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