Ausgrabung auf dem Ohrenberg in Marktbreit: Weiteres Haus der steinzeitlichen Siedlung freigelegt

Für ein zukünftiges Neubaugebiet in Marktbreit (Landkreis Kitzingen, Unterfranken) untersucht ein Archäologenteam der Bamberger Grabungsfirma IN TERRA VERITAS ein steinzeitliches Bodendenkmal auf dem Ohrenberg. In mehreren Kampagnen wurden hier bereits spannende Befunde aufgedeckt und dokumentiert. Siehe hierzu vergangene Beiträge, wie Hausgrundrisse oder Bestattungen. Bei der diesjährigen – und wahrscheinlich letzten Kampagne – wurde nun ein weiterer von insgesamt neun Hausgrundrissen freigelegt.
Auf dem Ohrenberg befand sich vor etwa 7000 Jahren eine steinzeitliche Siedlung aus der Zeit der sogenannten Linearbandkeramik (6000 bis 4000 v.Chr.), von der bereits einige Hausgrundrisse zum Vorschein kamen. Der Ort bestand wohl über mehrere Generationen. Die Wohnstallhäuser dieser ersten sesshaften Bewohner sind meist langgezogene viereckige Gebäude und wurden in Pfostenbauweise in Nordwest-Südost-Ausrichtung errichtet. Sie sind etwa 27 bis maximal 40 Meter lang und etwa 5 Meter breit. Im Inneren dieser Häuser fanden sich mehrere parallele Reihen aus Pfosten, die die Dachlast nach unten ableiteten. Bei den vorangegangenen Kampagnen wurden bereits auch die Abfall- und Lagergruben der Siedlung gefunden.
Rekonstruierbare und vermutete Grundrisse der Siedlung am Ohrenberg aus den Grabungen 2019 und 2020
Reibplatte mit geringen Resten von zermahlenem Hämathit

Hinweise auf eigenständige Hausbautechnik

Bei vielen Siedlungen der Linearbandkeramik finden sich seitlich entlang der Hauswände Gräben, die mit Hausrat und Abfall verfüllt sind. Für gewöhnlich werden diese Längsgruben als Materialentnahmestellen für den Lehmbewurf der Wände interpretiert, die anschließend als Abfallgruben verwendet wurden. Im Fall von Marktbreit fehlen diese Längsgruben, so dass hier eventuell eine eigenständige Hausbautechnik vorliegt. Im etwa 10 Kilometer entfernt liegenden Buchbrunn wurde eine ähnliche Beobachtung gemacht.

Daher kann spekuliert werden, ob hier die Wände eben nicht aus Flechtwerk mit Lehmbewurf bestanden, wie zu der Zeit gewöhnlich, sondern verbrettert wurden. Zudem tauchten in den Abfallgruben auch etliche Stücke von Hämathit auf, aus dem man roten Farbstoff gewinnen konnte. Aufgrund der großen Menge ist wohl davon auszugehen, dass hieraus nicht nur Schminke für die Bewohner gewonnen wurde, sondern möglicherweise auch Wandfarbe, mit der die Häuser bemalt waren.

Mehr als nur Wohnhaus

Bei den freigelegten Hausüberresten handelt es sich nicht nur um reine Wohnhäuser. Neben einer Teilnutzung als Viehställe waren darin auch Werkstätten zur Herstellung von Steinwerkzeugen oder Kleidung untergebracht. Auch die Nahrungszubereitung wurde hier erledigt. Das zeigen zum Beispiel Mahlsteine oder Tierknochen, die in den Abfallgruben gefunden wurden.

Mahlsteine aus einer Abfallgrube, daneben Illustration einer Frau beim Mehl mahlen
Rinderhorn aus einer Abfallgrube
Mit der diesjährigen Grabung konnte neben den bereits bekannten acht Hausgrundrissen noch ein weiterer hinzugefügt werden. Hier handelt es sich offenbar um ein Haus am Ortsende, denn weiter westlich finden sich keine weiteren Spuren mehr. Sind erst einmal alle erhobenen Daten ausgewertet, ergibt sich so die Möglichkeit ein Gesamtbild der vollständigen Siedlung mit allen zugehörigen Details zu zeichnen.
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