Steine in der Steinzeit – Gefragter Rohstoff und Handelsgut

Benannt wurde die Steinzeit nach der Tatsache, dass Menschen Werkzeuge aus Stein fertigten. Doch Stein ist nicht gleich Stein, sondern Rohstoff mit unterschiedlichster Qualität und Güte. So war er auch begehrtes Handelsgut und wurde von den Steinzeitmenschen über große Distanzen transportiert und gehandelt. Heute kann die Archäologie durch Funde nachvollziehen, wie und über welche Wege es Kontakte zwischen verschiedenen Regionen gab. Franken stellt hierzu ein gutes Beispiel dar.
In Franken, genauer gesagt im westlichen Franken zwischen Rothenburg ob der Tauber und Hassfurt sind nur Muschelkalkhornstein und Keuperhornstein vorhanden. Dazu kommen noch Kieselschieferknollen aus dem Main. Diese natürlichen Rohstoffvorkommen sind zur Werkzeugherstellung leider eher als minderwertig zu bezeichnen. Doch archäologische Funde von Artefakten und Rohmaterial aus der Zeit der ersten Ackerbauern und Viehzüchtern in Mitteleuropa des 5. Jahrtausends v.Chr. (Linearbandkeramik) zeigen, dass man sich das hochwertige Material offensichtlich aus anderen Regionen besorgt hat. So wurden ebenso baltischer Feuerstein, westischer Feuerstein sowie Jurahornstein gefunden. Das nächstgelegene Vorkommen von baltischem Feuerstein liegt etwa 100 km entfernt bei Erfurt. Westischer Feuerstein ist mindestens an der 300 km entfernten Grenze zu Belgien und den Niederlanden zu verorten (z.B. aus Rjickholt). Selbst der Jurahornstein aus der südlichen Fränkischen Alb hat wenigstens eine Reise von 80 km hinter sich.
Grobe Veranschaulichung der Gesteinsvorkommen in Westfranken

Rekonstruktion eines Handelsnetzes
Allein dies zeigt, dass die Menschen vor über 6000 Jahren hochwertigen Feuerstein über längere Entfernungen transportiert haben müssen. Doch noch interessanter sind die regionale Verteilung und Qualität der Funde, was auf ein reges Handels- und Verkehrsnetz schließen lässt.
Vergleicht man Rohmaterialvorkommen der linearbandkeramischen Siedlungen in Westfranken, zeigt sich, dass baltischer Feuerstein vor allem im nördlichen Teil verwendet wurde. Dagegen ist westischer Feuerstein und Kieselschiefer nur entlang des Mains zu finden. Dies zeigt einerseits, dass es Versorgungsunterschiede in den einzelnen Siedlungen gab und andererseits, dass der Main ganz offensichtlich als Verkehrsweg genutzt wurde.
Der Jurahornstein aus der Frankenalb taucht nur im südlichen Teil des hier besprochenen Gebietes auf.

Knolle aus baltischem Feuerstein von der deutschen Küste. (Foto: Marlene Ruppert-Dallmann)
Fragmente und Abschläge aus Hornstein aus Marktbreit / IN TERRA VERITAS Grabung. (Foto: Beatrice Krooks)
Pfeilspitze aus Jurahornstein

Ein steinzeitliches Wirtschaftssystem
Besonders interessant ist auch, dass mit wachsender Entfernung der Siedlungen von der Hauptverkehrsroute der Anteil an gefundenem Rohmaterial sinkt. Gleichzeitig erhöht sich aber der Anteil an Halbfertig- und Fertigprodukten, wie beispielsweise fast fertige oder bereits einsatzbereite Klingen. So kann man sich vorstellen, dass in den handelsroutennahen Orten die Rohmaterialien angenommen und weiterverarbeitet wurden. Die entstandenen Produkte wurden anschließend in die weiter entfernten Ortschaften gebracht. Dabei handelte es sich allerdings nicht nur um die am besten gelungenen Klingen, sondern auch solche, die durch zusätzliche Bearbeitungen erst verwendbar wurden. Es zeigt, dass die Menschen damals alle zur Verfügung stehenden Materialien ausnutzten, da die Versorgung mit Horn- und Feuersteinen im westlichen Franken der älteren Jungsteinzeit grundsätzlich scheinbar eher schlecht war.

Weiterentwicklung statt Stillstand
In der folgenden mittleren Jungsteinzeit ändert sich die Situation. Zum einen geht die Nutzung von westischem Feuerstein stark zurück oder endet ganz. Diese Entwicklung ist nicht nur in Franken, sondern im gesamten Nutzungsgebiet dieser Gesteinsart feststellbar.Zum anderen wird der sogenannte gebänderte Plattenhornstein – der sehr einprägsam aussieht – aus Abensberg-Arnhofen südlich von Kehlheim beliebt und in größerem Umfang abgebaut. Bemerkenswert ist dabei, dass sich der Fundanteil an gebändertem Plattenhornstein mit zunehmender Entfernung vom Abbauort nicht verringert. Vielleicht ist das ein Hinweis auf eine Veränderung und Weiterentwicklung in einem dichter werdenden Kommunikations- und Handelsnetzwerk.

Abschlag aus gebändertem Plattenhornstein aus Abensberg-Arnhofen. Der Plattenhornstein ist sekundär verbrannt.

Literatur/Links:
S. Scharl, Silex-Austauschsysteme am Übergang vom Alt- zum Mittelneolithikum im westlichen Franken. In: V. Becker/ R. Gleser (Hrsg.), Mitteleuropa im 5. Jahrtausend vor Christus. Neolithikum undältere Metallzeiten. Studien und Materialien I (Münster 2012), 431-444.
www. flintsource.net
Lithothek des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen:
https://www.uf.phil.fau.de/abteilungen/sammlung/lithothek/

Ähnliche Beiträge

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://itv-grabungen.de/