Aus Tradition Grillgarten. Eine kleine Ausgrabung in Himmelstadt

Himmelstadt im Landkreis Main-Spessart im Frühjahr 2021. Die junge Familie Sattel ist gerade dabei sich ihren Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Doch bevor die eigentlichen Baggerarbeiten losgehen, schneiden Archäologen rechteckige Profile in den Boden und spannen Schnüre über die Fläche. Jule, die kleine Tochter der Familie läuft an der Seite ihrer Mutter Felizitas gespannt und vorsichtig durch den archäologischen Hindernisparcour. „Was die Ausgräber wohl finden werden? Welche Geschichten wohl im Boden unter unserem neuen Zuhause verborgen sind?"

Bereits vor 7000 Jahren befand sich auf dem Gebiet des heutigen unterfränkischen Himmelstadt eine stichbandkeramikzeitliche Siedlung (seit etwa 4900 bis 4500 v.Chr.). Die jungsteinzeitlichen Menschen betrieben damals Ackerbau und Viehzucht. Sie lebten in für diese Zeit typischen Langhäusern, die aber auf der Bergkuppe weiter westlich der Ausgrabungsfläche errichtet wurden. Im Bereich des Grundstücks von Familie Sattel befanden sich allerdings kleinere Nebengebäude und vor allem archäologisch interessante Abfallgruben, die sich in einigen Resten bis zum heutigen Tag erhalten haben. Daher war auch die Untersuchung eine denkmalrechtliche Auflage.

Tradition der Entsorgung über Jahrtausende
Ein Team von IN TERRA VERITAS war nun vor Ort, um die Jahrtausende alten Funde und Befunde zu bergen bzw. zu dokumentieren. Unter den interessierten Blicken der Familie, insbesondere von Tochter Jule, huben die Wissenschaftler bis zu 1,40 Meter tiefe Löcher aus, die wie immer auf den ersten Blick für den Laien unspektakulär aussahen. Doch im Profilschnitt steckten die Antworten. In den Verfüllschichten der freigelegten Abfallgruben wurden neben Gefäßbruchstücken der Stichbandkeramik auch Lagen aus Asche und Holzkohle gefunden. Offenbar hatten die steinzeitlichen Bewohner die Asche ihres Herdfeuers regelmäßig genau hier entsorgt.

Ein weiterer Befund kommt zum gleichen Ergebnis, wenn auch ganze 4000 Jahre jünger. Viele Generationen später wurde die gleiche Stelle ebenfalls als Entsorgungsgrube für Asche genutzt.

Und über 2000 weitere Jahre danach lud ein im 20. Jahrhundert zum Schrebergarten umgenutzter Baumgarten scheinbar wieder zum Grillen ein. Denn auch hier wurden Grillabfälle in Gruben entsorgt, wie die Archäologen herausfinden konnten.

Diese beispielhaften Ausschnitte zeigen, dass nun erstmals die lange etwa 7000 Jahre andauernde Parzellengeschichte greifbar nachgewiesen werden konnte. Bereits seit der Steinzeit nutzten Menschen regelmäßig das Grundstück.

Sonnenaufgang über Himmelstadt im Frühling 2021. Im Vordergrund die Befundmarker der Archäologen von IN TERRA VERITAS
Felizitas Sattel mit Tochter Jule (noch ohne eigene Abfallgrube) bei der Begehung der archäologischen Ausgrabung auf ihrem Grundstück.
Teil einer Abfallgrube mit einzelnen Verfüllschichten aus Asche, Holzkohle, organischem Material und zerbrochenen Keramikgefäßen der Stichbandkeramik

Die Geschichte kann weitergehen
Nachdem die entdeckten Überreste sorgfältig und fachgerecht entnommen wurden, sind nun die neuen Eigentümer an der Reihe, die Geschichte fortzuschreiben. Für Familie Sattel mit Tochter Jule scheint ihr neues Zuhause aber schon aus Tradition eines vorzugeben: Hier muss im Garten gegrillt werden. Und vielleicht entsorgen sie ihre Grillkohle auch in einer kleinen Grube an Rand ihres Grundstücks und tun so den Archäologen in 7000 Jahren einen kleinen Gefallen.

Übrigens hat Familie Sattel die Ausgrabung mit regelmäßiger Verpflegung der Archäologen und auch Tatkraft unterstützt! Wir danken dafür herzlich.

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