Die „Seeschlachten“ von Bayreuth

Vor etwa 300 Jahren treffen mehrere Kriegsschiffe unter Kanonendonner und von Pulverdampf eingehüllt aufeinander. Die tapferen Matrosen beider Seiten arbeiten hart, um die Schiffe um ihre jeweiligen Gegner zu manövrieren und in Schussposition zu kommen. Eine Szenerie, wie man sie irgendwo auf den Weltmeeren vermuten würde? Nein, sie fand so oder so ähnlich mitten im oberfränkischen Bayreuth statt.

Für die Bayreuther Bevölkerung ist diese Geschichte meist nicht unbekannt. Markgraf Georg Wilhelm (1678 – 1726) hatte einst bei seiner Kavaliersreise durch die Niederlande und England offensichtlich großen Gefallen an der Seefahrt gefunden und wollte in seiner Heimat darauf nicht verzichten müssen. Ganz so, wie es sich ein barocker und absolutistischer Herrscher mit dem Vorbild Versailles wünschte.

Der Brandenburger Weiher
Mit einer Erweiterung im Jahr 1508 entstand nördlich der Bayreuther Altstadt im heutigen Stadtteil Sankt Georgen der sogenannte Brandenburger Weiher, der auch eine Insel beherbergte. Kronprinz Georg Wilhelm begann 1701 an der südlichen Uferseite mit dem Bau seines Kronprinzenschlosses. Das Gebäude liegt heute an der Bernecker Straße und wird als Justizvollzugsanstalt genutzt. Zur damaligen Anlage gehörten neben dem eigentlichen Schloss noch ein Theater, Matrosenhäuser und weitere Nebengebäude, deren Hauptzweck darin Bestand Personal und Material für die diversen Lustbarkeiten des Kronprinzen zu beherbergen. Schloss und umliegende Häuser wurden dabei nie als Teil einer eigenständigen Stadt "Sankt Georgen" bezeichnet – wohl um die Bayreuther Bürgerschaft nicht zu beunruhigen, welche die Konkurrenz direkt vor ihren Stadttoren wohl kaum gutgeheißen hätte. Erst kurz vor seinem Regierungsantritt als Markgraf bezeichnete er Sankt Georgen als Stadt.

Kartenausschnitt mit dem Brandenburger Weiher, der Insel und dem Kronprinzenschloss. (Quelle: Archiv für Geschichte von Oberfranken, Bd. 65, S.324)

Seegefechte für den Kronprinzen
Für seine nautischen Ambitionen beauftragte Georg Wilhelm einheimische Handwerker aus Münchberg und Wertheim. Im Laufe der Jahre bauten diese gleich mehrere Schiffe nach holländischem Vorbild. Das größte Schiff war die Neptunus. Sie maß 30m Länge, 6m Breite, 18m Höhe inklusive Mast und fasste 12 kleine Geschütze. Auf dem kleinen See konnte dieses beachtliche Segelschiff nur mit einigen Schwierigkeiten manövriert werden.

Die Matrosen des Kronprinzen mussten sich natürlich im Schaukampf tapfer gegeneinander schlagen. Die gegnerische Seite hatte sich hierfür als Osmanen verkleidet. Georg Wilhelm ließ sogar zusätzlich eine "türkische Brigantine" bauen. Auch Requisiten wie osmanische Kleidung und "Sklavenketten" waren zuhauf vorrätig. So konnte die Hofgesellschaft ganz in die Seeschlachten der Zeit um 1700 eintauchen. Die Mannschaften mussten die Schiffe sehr vorsichtig und langsam auf dem See manövrieren, um nicht auf Grund zu laufen oder das Ufer zu rammen. Trotz allem kam es mehrfach zu Unfällen, bei dem Matrosen starben oder an Deck Feuer ausbrach.

Ansicht der Schlossanlage von Norden, 1712. Links unten die Neptunus (Quelle: Archiv für Geschichte von Oberfranken, Bd. 65, S.322)
Modellvorlage zur Neptunus, heute im Stadtmuseum Bayreuth ausgestellt. (Quelle: Archiv für Geschichte von Oberfranken, Bd. 65, S. 328)

Nur wenig erinnert daran
Die Insel im Weiher und die Schiffe wurden außerdem noch als Hintergrund für Feuerwerke, Schauspiele und andere Lustbarkeiten verwendet. Auch nachdem Georg Wilhelm 1726 starb, wurden die Anlagen noch für Amüsements der Hofgesellschaft genutzt. Mehrere Geburtstage der Markgräfin Wilhelmine wurden hier gefeiert. Auch das dänische Königspaar wurde hier empfangen und auf den Schiffen eine Theaterbühne errichtet. Das letzte Seefest fand 1771 statt, bei dem das zwischenzeitlich erneuerte Schloss bereits wieder stark sanierungsbedürftig war, die Insel mit Schilf und Gras überwuchert und der See teilweise verlandet war. 1775 wurde der Weiher dann trockengelegt und das Gelände in Parzellen unterteilt. Bis zur Bebauung mit Industrieanlagen wurde der Bereich vornehmlich als Ackerland genutzt. Das Schloss selbst ist heute ein Gefängnis und das ehemalige Prinzessinenhaus, das zwischenzeitlich als „Irrenanstalt" genutzt wurde, dient nun als Geschäftsgebäude.

An die rauschenden Feste des Bayreuther Barock und Rokoko, bei denen Fürsten aus allen Teilen Europas teilnahmen, erinnern heute im Bayreuther Stadtteil Sankt Georgen noch Namen wie die Inselstraße, die Seestraße oder die Matrosenstraße.

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