Ein weiteres Puzzle-Teil der unbekannten Geschichte Tirschenreuths aufgedeckt

Für den Neubau des technischen Rathauses in Tirschenreuth (Oberpfalz) mussten Gebäude am Maximiliansplatz abgerissen werden. In diesem Zuge waren Archäologen der Bamberger Grabungsfirma IN TERRA VERITAS vor Ort, um zu prüfen ob hier Reste des alten Tirschenreuths erhalten waren. Die Arbeiten waren für das Grabungsteam besonders interessant, da über das Aussehen von Tirschenreuth im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit fast nichts bekannt ist, obwohl die Stadt eine der bedeutendsten Siedlungen der Region ist. Auch für den konkreten Ausgrabungsort war bisher lediglich bekannt, dass an dieser Stelle ältere Gebäudeteile vorhanden sein sollten, wobei deren Alter, Funktion oder Konstruktion völlig im Dunkeln liegt.

Beim Entfernen des modernen Bauschutts wurden vier Keller freigelegt. Im Nordwesten fand sich ein sehr großer in den Felsen geschlagener Kellerraum, dessen Wände zum Teil aus Fels, zum Teil aus großen Gneisquadern bestanden. Mit einer Länge von 16m und einer Breite von etwa 6,5m ist der Keller so groß dimensioniert, dass hier eine spezielle Nutzung vorliegen muss. Für die normale Vorratshaltung eines gewöhnlichen Haushalts waren deutlich kleinere Keller völlig ausreichend. Eventuell wurde der Keller zur Lagerung von Bier, also als Gärkeller genutzt. In wenigen Resten hatten sich noch die Spuren einer an der südlichen Traufseite liegenden Treppe erhalten, so dass der ursprüngliche Zugang geklärt werden konnte. Anhand von Funden aus dem Fußbodenbereich kann der Keller in das 16./17. Jahrhundert datiert werden.

Ein weiterer Keller fand sich an der südlichen Grundstücksgrenze. Dieser war mit 7,8m x 4,6m deutlich kleiner und diente wohl als Lagerraum für das darüber liegende Gebäude, welches heute nicht mehr existiert. Aus der Baugrube und der Tonnengewölbezwickelverfüllung konnten Keramikscherben aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts geborgen werden, wodurch auch der Errichtungszeitraum des Kellers eindeutig datiert werden kann. Der Kellerraum selbst war mit Bauschutt und Mineralwasserflaschen aus der Zeit um 1900 verfüllt. Daraus kann geschlossen werden, dass der Keller wohl auch in diesem Zeitraum aufgegeben wurde.

Mit dem weiteren Voranschreiten der Bauarbeiten werden auch andere Teile des Grundstücks für die Archäologie zugänglich. Es wird sich also noch zeigen, welche weiteren Puzzle-Teile aus der bewegten und teils auch unbekannten Geschichte Tirschenreuths zu Tage treten werden.
Archäologische Ausgrabung am Maximiliansplatz in Tirschenreuth, Oberpfalz
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