Energieeffizienz in der Steinzeit Teil 1 der Reihe: Der spannende Weg zum Ofen

Als die Menschen lernten das Feuer zu beherrschen, schufen sie damit eine der wichtigsten Innovationen in der Geschichte. Feuer spendete unseren Vorfahren Wärme, sicherte das Überleben und war der Schlüssel zur weiteren Entwicklung ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Seit Millionen von Jahren ist es bis heute einer der wichtigsten Begleiter unserer Zivilisation.
Feuer hatte gleich mehrere Funktionen. Es revolutionierte die Zubereitung von Fleisch und anderen Nahrungsmitteln. Die Verdauung von gegarten Lebensmitteln kostet weniger Energie und die enthaltenen Inhaltsstoffe können dem Körper somit besser zur Verfügung gestellt werden. Dies trug unter anderem dazu bei, dass sich die körperlichen und geistigen Fähigkeiten unserer Vorfahren weiterentwickelten. Auch der wärmespendende Faktor des Feuers war nicht unerheblich, um das Überleben zu sichern. Mit Hilfe des Feuers waren die Menschen in der Lage auch die kältesten kontinentalen Gebiete Eurasiens zu besiedeln und sich an extreme Umweltbedingungen anzupassen. Feuer spendet ebenso Licht und hält ungebetene Gäste fern. Auch der soziale Aspekt ist nicht zu unterschätzen.

Ursprung im Dunkel der Vergangenheit
Die Forschung diskutiert noch darüber, wann genau der Mensch lernte, das Feuer zu beherrschen. Hinweise finden sich im Altpaläolithikum, zur Zeit der Oldowan-Kultur (benannt nach dem Fundort in der tansanischen Oldovai-Schlucht, einem Teil des Großen Afrikanischen Grabenbruchs) vor etwa 2,5 Mio. – 1,7 Mio. Jahren. Sichere Befunde aus Kobi Fora in Kenia legen nahe, dass der Mensch die Handhabung des Feuers vor rund 1,5 Millionen Jahren erlernte. Im europäischen Acheuléen (erste Steinwerkzeug-Kultur Europas / 1,7 Mio. – 250.000 v.Chr.), also zur Zeit der Schöninger Speere, hatte man sich das Feuer bereits zu eigen gemacht.

Gemütliche Lagerfeuer
Im Jungpaläolithikum (40.000 – 12.000 v.Chr.) werden kleine Gruppen von Menschen, die sogenannten „bands", erstmals saisonal sesshaft. Dies zeigen Befunde, die auf temporäre Hütten oder Zelte schließen lassen. In der später folgenden Kulturstufe Magdalénien (17.000 -12.000 v.Chr.) häufen sich die Befunde von temporären Behausungen. Dass hier auch Feuerstellen eine wichtige Rolle spielten, zeigen die Befunde von Pincevent in Frankreich. Dort wurden Steinkreise mit einer Öffnung gefunden, vor der zahlreiche Knochen und Steinabschläge lagen. Kohlereste vor der Öffnung deuten auf eine Feuerstelle hin. Es ist davon auszugehen, dass es sich um Zelte gehandelt hat, vor dessen Eingang sich eine Feuerstelle befand. Es scheint, dass die Bewohner ihre Abfälle einfach vor die Tür geworfen haben. Wie die Feuerstelle im Detail aussah, kann nicht mehr beschrieben werden.

Rekonstruktion eines jungpaläolithischen Zeltes auf einem Steinkreis mit Feuerstelle (Zeichnung: Alexandra Decker, IN TERRA VERITAS Bamberg)
Nachbau eines Steinofens vom Fundplatz Gönnersdorf in der neuen Dauerausstellung „MenschlICHes VERSTEHEN“, MONREPOS (Foto: Daniela Holst, MONREPOS)

Heizofen mit Energieeffizienz
Auch in Deutschland sind steinzeitliche Fundplätze mit großen Feuerstellen bekannt. So zum Beispiel in Nebra, Sachsen-Anhalt oder Andernach, Rheinland-Pfalz. Bei einem Fundplatz in Gönnersdorf, Rheinland-Pfalz lohnt sich eine nähere Betrachtung. Hier wurde bereits vor 16.000 Jahren eine Form von Heizofen entwickelt. Man kann sich diesen als offene Feuerstelle mit Steinplattenverkleidung vorstellen. So kann der wärmespeichernde Effekt der Steinplatten ausgenutzt werden, die Brenndauer erhöht werden und es ist praktischerweise gleich noch eine Herdplatte vorhanden. Neue Forschungen zeigen, dass vor allem die Verfügbarkeit von Heiz- und Brennmaterial den Aufbau der Feuerstellen bedingte, denn diese ersten Steinöfen entstanden in einer besonders holzarmen und trockenen Kaltphase. Es zeigt, dass die Menschen damals bereits äußerst ökonomisch mit den knappen Brennstoffressourcen umgingen.

Das allseits bekannte offene Lagerfeuer hielt in Mitteleuropa erst vor etwa 14.500 Jahren Einzug. Zur gleichen Zeit herrschte eine feucht-warme Phase vor und der Baumbestand nahm zu. Obwohl diese Art der Feuerstelle wesentlich ineffizienter ist, hatten die Menschen sie dennoch bevorzugt. Vielleicht war der Schein des knisternden Feuers in dunklen Nächten einfach zu anziehend.

Mittelsteinzeitliches „Grillen"
Im folgenden Mesolithikum (12.000/10.000 – 5.500/4.500 v.Chr.) können anhand eines Fundplatzes in Siebenlinden, Baden-Württemberg verschiedene Konstruktionen von offenem Feuer nachvollzogen werden. Die einfachsten sind ebenerdige Feuerstellen ohne jegliche Konstruktionselemente. Sie können an der deutlich rötlichen Verziegelung des darunter liegenden Bodens und an der Anhäufung von Asche erkannt werden. Ebenerdige Feuerstellen können aber auch mit größeren Steinen begrenzt sein. Eine weitere Art der Konstruktion sind flache Mulden von etwa 20 cm Tiefe, in denen das Feuer entzündet wurde. Am aufwendigsten war der Bau eines Pflasters aus Steinen und Flussgeröll. Manchmal wurde dazu auch eine flache Mulde angelegt. Die Steine bildeten einen regelrechten Rost, auf dem die Nahrung zubereitet werden konnte.

Doch Feuerstellen waren sehr viel mehr als nur Kochstelle und Heizung. 95 Prozent aller Tätigkeiten der steinzeitlichen Menschen waren ausschließlich ans Feuer gebunden. Die Bearbeitung von Jagdwaffen, die Herstellung von Schmuck, Nähen – alles fand am Feuer statt. Und es war nicht nur praktisch, sondern enthielt auch einen deutlichen sozialen Faktor.

Für Archäologinnen und Archäologen stellt es heute viel mehr Informationen bereit als man anfänglich denken würde. Feuerstellen sind eine der wichtigsten Befundgattungen und geben nicht nur Aufschluss über die Verwendung und Nutzungsdauer des Feuers, sondern auch über die räumliche Gliederung eines Fundplatzes oder über die Geschichte einer ganzen Siedlung.

Literatur und Internetquellen:
www.praehistorische-archaeologie.de
www.denkmalpflege-bw.de/denkmale/projekte/archaeologische-denkmalpflege/lagerplaetze-der-mittelsteinzeit-in-rottenburg/feuerstellen
www.archaeologie-online.de/nachrichten/energieeffizienz-vor-16000-jahren-2681/

C.-J. Kind, Die letzten Jäger und Sammler. Das Mesolithikum in Baden-Württemberg. Denkmalpflege in Baden-Württemberg. - 35. 2006, 1. - S. 10 - 17
F. Moseler, Feuerstelle oder "Heizofen"? - Eine funktionale Analyse von Brandstrukturen aus dem späten Magdalénien (Mainz 2015).

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