Die Burgruine Liebenstein bei Tirschenreuth – ein geschichtlicher Überblick

Auf dem Liebensteiner Schloßberg (Markt Plößberg im oberpfälzischen Landkreis Tirschenreuth) thronen noch heute die Überreste einer mittelalterlichen Burganlage. Sie wurde auf einem Granitsporn mit nach Norden auslaufendem Plateau, zwischen der Tirschenreuther Waldnaab im Westen und dem Schwarzenbach im Süden errichtet. Im südlichen Bereich ist der Ausläufer durch eine steile Felswand unzugänglich. Von Westen führt aus dem Dorf Liebenstein ein noch heute erhaltener Hohlweg auf den Schlossberg, weiter über das Plateau nach Osten und wieder zurück ins Dorf. Von diesem Weg zweigt ein Zugang zur Burg ab.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Geschlecht der Liebensteiner in einer Urkunde aus dem Jahr 1143. Die Liebensteiner waren als Ministerialen des Markgrafen Diepold II. von Cham und Vohburg in der regio egere eingesetzt. Sie hatten die Aufgabe das Land zu roden, zu besiedeln und zu kontrollieren. Um ihre Macht zu demonstrieren, bauten die Ministerialen Burgen, die sowohl als Wohnsitz als auch als Gericht und Rathaus dienten. Die Burg in Liebenstein zählt zu den sogenannten Höhenburgen.

Mehrere Bauphasen seit etwa 900 Jahren
Die erste Burg wurde wohl in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts größtenteils aus Holz gebaut.Im Laufe des 13. Jahrhunderts, unter der Herrschaft der Staufer, wurde die Burg in Stein aus- und umgebaut. Heute sind nur noch wenige Reste des Bergfrieds aus Buckelquadern, sowie Reste des ursprünglichen palas (des zentralen Hauptgebäudes) und einer möglichen Ummauerung erhalten. Der repräsentative Steinbau aus Buckelquadern weist zudem auf einen sozialen Aufstieg des Liebensteiner Geschlechts hin. 1221 werden die Liebensteiner als Egerer Landrichter in schriftlichen Quellen erwähnt, ebenso 1264. 1292 stirbt der letzte Liebensteiner ohne männliche Nachkommen und die Burg wird von den Parsbergern durch Heirat geerbt und bereits 1298 an das Kloster Waldsassen verkauft. Unter Abt Theoderich und Abt Franz wird in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Burg weiter aus- und umgebaut und mit einer Ringmauer umgeben, wohl um sie wehrhafter zu machen. Mauern aus Buckelquadern und Bruchsteinen zeigen, dass in dieser Bauphase der rechteckige erhaltene Grundriss des neuen palas entstanden ist.
Damit bestand die Burg Liebenstein, wie die meisten Burgen der Oberpfalz, aus drei Teilen:
- der äußeren Vorburg im Westen, umgeben von einem Graben mit Wall
- nach Osten die innere Vorburg mit rechteckigem Turm und Zugbrücke über einen weiteren Wallgraben
- im Südwesten der palas mit einer kleinen Kapelle (bis Mitte 16. Jahrhundert) und Innenhof, an drei Seiten natürlich gesichert durch steil abfallende Felswände

Innerhalb dieses Grundrisses wurden in einer letzten Bauphase mehrere Umbauten vorgenommen, unter anderem wurde ein Ziegelboden eingefügt. Auch der rundliche Turm im Westen gehört wahrscheinlich zu diesem Bauabschnitt. Bis Ende des 16. Jahrhunderts war Burg Liebenstein regelmäßig Sitz eines Richteramts und bewohnt. Im 30jährigen Krieg verlor sie jedoch an Bedeutung und verfiel seitdem immer mehr. Nach dem Tirschenreuther Stadtbrand von 1814 wurden Steine der Burg für den Wiederaufbau verwendet, sodass sie noch weiter abgetragen wurde.

Seit 2006 wurden, in enger Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege Regensburg, dem Bürgerverein Liebenstein und Sponsoren Ausgrabungen in und um die Ruine durchgeführt. Auch ganze Mauerzüge wurden teilweise rekonstruiert und wieder aufgebaut. SpezialistInnen erstellten anhand der erhaltenen Mauern ein 3D-Modell, welches auch auf einer Schautafel in der Burg abgebildet ist. Teilweise brachten die Grabungen etwas Licht ins Dunkel, belegten überwiegend die vorhanden schriftlichen Quellen und zeigten mehrere Bauphasen auf, wie hier teilweise dargestellt.
Überreste der Burgruine mit rekonstruierter Zugbrücke und Mauerzügen (Foto: Andrea Wettinger)

Literatur:
Ulrich Kinder, Der Befestigungsbau im Landkreis Tirschenreuth, Büchenbach 2013 (Arbeiten zur Archäologie Süddeutschlands)
Ursula Pfistermeister, Burgen der Oberpfalz, Regensburg, 1974

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