Ein schwarzes Band verbindet! Die archäologische Hinterlassenschaft der Hussiten.

Wenn man bei archäologischen Untersuchungen in den Innenstädten von Bayreuth, Wirsberg, Auerbach in der Oberpfalz oder dem Kloster Michelfeld den Boden öffnet, findet sich an vielen Stellen ein schwarzes Band aus Holzkohle, teilweise mit Ziegeln und anderem Bauschutt durchmischt. Bei diesem Band handelt es sich um einen Leithorizont, der Archäologen heute einen klar datierbaren Anhaltspunkt in der Schichtabfolge an vielen verschiedenen Orten bietet. Doch was genau hat es damit auf sich

Nachdem vor knapp 600 Jahren der böhmische Reformator Jan Hus verurteilt und verbrannt wurde, bildete sich eine aufständische Gruppe aus Adligen und Anhängern von Hus Ideen. Die als Hussiten bezeichneten aufständischen Rebellen wurden im Verlauf der Zeit immer aktiver und zogen teilweise bis an die Grenze von Unterfranken. Im Verlauf dieser kriegerischen Auseinandersetzung wandelten sich ihre Ziele und umfassten nicht mehr nur religiöse Reformwünsche, sondern auch weitreichende politische Forderungen. Während des Feldzuges waren die meisten Orte den Hussiten oft hilflos ausgeliefert, wurden geplündert und zerstört. Ein Beispiel zeigt der Bericht des Abtes Heinrich III. von Truppach über den Überfall auf das Kloster Michelfeld: "...nachdem sie schon 14 große und kleine Glocken sowie alle inneren Gerätschaften des Klosters samt Pferden und Rindvieh geraubt. Brannten sie es endlich mit allen daranhängenden Gebäuden, Höfen und Dörfern zusammen [nieder]". So entstand eine bis heute erkennbare Schicht, ein schwarzes Band im Boden, das an vielen verschiedenen Orten in der Oberpfalz und im östlichen Franken auf genau dieses zeitlich eingrenzbare Ereignis zurückgeht.

Für Archäologen eine wertvolle Spur
So schrecklich der damalige Verlust von Menschenleben, Hausrat und Besitzgütern war, so wertvoll sind diese Spuren heutzutage für die Archäologie. Sie ermöglichen nicht nur eine klare Datierbarkeit, sondern sagen auch viel über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der weit entfernt voneinander liegenden Orte aus. Wie war zum Beispiel der Hausrat einer Familie in Auerbach im Vergleich mit einer Familie in Hollfeld zusammengesetzt? Wie veränderte sich dieser nach der Katastrophe? Welche Häuser standen hier vor 1430 und wie und wie lange wurde der Wiederaufbau danach durchgeführt?

In Kürze starten die Archäologen von IN TERRA VERITAS mit einer Ausgrabung im Kloster Michelfeld, Landkreis Amberg-Sulzbach und setzen eine weitere Ausgrabung in Wirsberg, Landkreis Kulmbach fort. So ergibt sich die Gelegenheit das gleiche historische Ereignis gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten zu studieren, die 44 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt sind. Man kann auf die Ergebnisse gespannt sein.

Wagenburg der Hussiten, Darstellung des 15. Jahrhundert (Quelle: Rudolf Weber, 900 Jahre Michelfeld, S.87)
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